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Terry Pratchett/Stephen Baxter

Die Lange Erde 4
Das Lange Utopia

  • Autor:Terry Pratchett/Stephen Baxter
  • Titel: Das Lange Utopia
  • Serie:Die Lange Erde 4
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Manhattan
  • Datum:21 November 2016
  • Preis:17,99 EUR

 
»Das Lange Utopia« (Die Lange Erde 4) von Terry Pratchett/Stephen Baxter


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Nachdem das Leben auf der Erde durch eine Katastrophe immer beschwerlicher wird, wandert ein großer Teil der Menschheit in die parallelen Erden aus. Ziel einiger Weniger ist New Springfield, über eine Millionen Schritte von der Datum Erde entfernt. Auch Lobsang läßt sich hier nieder, begleitet von Agnes und einem Jungen, den die beiden adoptiert haben, um sich als Farmer zu versuchen.

New Springfield entpuppt sich als einzigartig, denn nirgendwo sonst in der parallelen Erde gibt es einen Übergang zu einem fremden Kontinuum. Dieser Übergang ist rein zufällig entstanden und auch nur rein zufällig von ein paar Kindern beim Spielen entdeckt worden. Diese halten ihre Entdeckung vor den Erwachsenen geheim und freunden sich, mehr oder weniger, mit den dort lebenden käferartigen Wesen an, ohne jedoch zu wissen, dass diese bereits erste Vorkehrungen getroffen haben um New Springfield zu zerstören und sich in der langen Erde auszubreiten.

Nachdem das Geheimnis um den Übergang publik und das Unterfangen der Käfer entdeckt wird, machen sich einige Menschen, unter ihnen natürlich Lobsang, Sally Linsay, Joshua Valiente und die Next, auf, um den Käfern Einhalt zu gebieten. Es gilt zu verhindern, dass sich die Käfer in der langen Erde ausbreiten und möglicherweise noch andere Welten zerstören.

Derweil forscht Nelson Azikiwe auf der Datum Erde nach Joshuas familiären Wurzeln – und kommt dabei zu einigen recht interessanten und spannenden Erkenntnissen.

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„Na also, geht doch“, möchte ich nach der Lektüre des mittlerweile vierten Bandes aus der Reihe Die lange Erde sagen. Ich habe lange überlegt, ob ich diesem Band überhaupt noch eine Chance geben soll, haben mich die Vorgänger doch nicht wirklich überzeugt. Allerdings ist die Idee der lange Erde einfach zu faszinierend, und die beiden Autoren eigentlich zu gut, um das Buch erfolgreich ignorieren zu können. Glücklicherweise, habe ich mich dann doch noch dazu entschlossen das Buch zu lesen und bin äußerst positiv überrascht worden.

Auch wenn der Einstieg in die Geschichte wieder einmal viel zu lange gedauert hat und nur schwer in die Pötte kam, die eigentliche Story um die käferartigen Invasoren und den Übergang fängt erst ab Seite 200 an so richtig interessant zu werden, baut sich die Spannung dann aber doch noch ab diesem Zeitpunkt kontinuierlich auf - bis hin zu dem wirklich furiosen Finale. Die Idee eines Freeman-Dyson-Planeten-Rotationsmotors, mit dem die Außerirdischen New Springfield zerstören möchten, ist in der Tat faszinierend (wie Mister Spock sagen würde). Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Sehr plastisch und kurzweilig werden die Auswirkungen dieses Rotationsmotors geschildert, auch wenn mir diese doch etwas arg übertrieben erscheinen, bedenkt man die kurze Zeitspanne die dieser Motor aktiv gewesen ist.

Das Konzept der sich kreuzenden Perlenketten, die lange Erde hier, das fremde Kontinuum dort, und der Möglichkeit eines Überganges, dort wo sich die Ketten berühren, ist eine schöne Idee. Es wäre allerdings noch schöner gewesen, wenn sich Baxter und Pratchett etwas ausführlicher mit dem fremden Universum auseinandergesetzt hätten. Waren die außerirdischen Käfer nun Lebewesen oder Roboter - oder eine Kombination beider Möglichkeiten? Auch die Motive der Käfer wurden nur von den Menschen gemutmaßt, vielleicht hatte ja alles eine andere Bewandtnis. Wir werden es wohl nie erfahren. Auch wenn die Schilderung dieses fremden Kontinuums vermutlich zu viel Platz beansprucht und das Buch aufgebläht hätte, haben es die beiden Autoren dennoch verpasst, der Story einen zusächlichen Kick zu geben. Der fremde Kosmos teilt für mich daher das gleiche Schicksal, dem auch die Lange Erde zum Opfer gefallen ist - eine viel zu kurze und leider nur oberflächliche Aufmerksamkeit.

Wer sich an die üblichen Hauptcharaktere aus den ersten drei Bänden gewöhnt hat und auf ein Wiedersehen mit ihnen hofft, wird nicht enttäuscht. Alle laufen wieder zur Bestform auf. Agnes und Lobsang versuchen sich als Adoptiveltern eines kleinen Jungen und bewirtschaften eine Farm, Sally Linsay pflegt ihr Image als ausgeprägte Misantrophin und Joshua, nun ja, ist eben Joshua, ruhelos und immer auf dem Sprung. Diesen dreien schließen sich noch einige Next und andere bekannte Charaktere aus den Vorgängerbüchern an. Allerdings wird die Freude am Wiedersehen doch etwas getrübt, denn nicht allen ist ein Happy End beschert.

Die zusätzlichen Handlungsebenen, neben der bereits geschilderten, sorgen zudem für jede Menge Abwechslung. Ist der Strang um die beiden Jugendlichen Rocky und Stan noch recht unspektakulär, laufen die beiden Autoren aber bei der Suche Nelson Azikiwes nach den familiären Ursprüngen Joshuas zur Höchstform auf. Eine Geschichte in der Geschichte. Sollten die Abenteuer der Ritter der Discorporea jemals von Stephen Baxter niedergeschrieben werden, ich würde das Buch unbedingt lesen wollen. Da steckt einiges an Potential drin, zumal auch die Ritter recht sympathisch, patriotisch und philanthrophisch geschildert wurden. Hat fast ein wenig an den Jedi Orden aus der Star Wars Reihe erinnert. Auch das Flair des viktorianischen Zeitalters wurde gut eingefangen. Ich weiß nicht, welche Handlung die interessantere war: die um die Außerirdischen oder die mit den Rittern der Discorporea.

Fazit
Für mich ist Das lange Utopia der mit Abstand beste, spannendste und unterhaltsamste Band der Reihe. Mal abgesehen von dem etwas drögen Anfang, haben Baxter und Pratchett danach fast alles richtig gemacht. Es hat mir durchaus Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass hier das Potential der Lange Erde ausgeschöpft wurde. Wären doch alle Bände so gewesen. Nun ja, es bleibt zu hoffen, dass beide Autoren es schaffen das Niveau für den fünften Band, Der lange Kosmos, ähnlich hoch zu halten. Ich kann die Lektüre dieses Buches nur empfehlen.
 
 
 


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