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Peter F. Hamilton

Die Chronik der Faller 1
Der Abgrund jenseits der Träume

  • Autor:Peter F. Hamilton
  • Titel: Der Abgrund jenseits der Träume
  • Serie:Die Chronik der Faller 1
  • Genre:SF
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Piper
  • Datum:05 Oktober 2015
  • Preis:17,99 EUR

 
»Der Abgrund jenseits der Träume« (Die Chronik der Faller 1) von Peter F. Hamilton


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Durch die Träume des Menschen Inigo erfahren die Rail, dass sich möglicherweise eines ihrer vermissten Raumschiffe auf Querencia, einem Planeten innerhalb der Leere, befindet. Aber nicht nur das. Aus weiteren Berichten weiß man ebenfalls, dass sich auch Menschen in der Leere angesiedelt haben. Wie diese allerdings dorthin gekommen sind weiß man nicht. Man vermutet lediglich, dass es sich um die Überlebenden einer Kolonisierungsflotte, welche vor zweihundert Jahren spurlos verschwand, handeln könnte.

Um diesen Merkwürdigkeiten auf den Grund zu gehen und Kontakt mit dem Rail Raumschiff aufzunehmen, lässt sich Nigel Sheldon von den Rail dazu überreden, einen Klon von sich in die Leere zu schicken. Dieses Vorhaben ist nicht ganz ungefährlich, da die Leere ein Ort ist, an dem die fortgeschrittene Technik des Commonwealth nicht, oder nur sehr unzuverlässig, funktioniert. Sie bildet ein eigenes Raum-Zeit Kontinuum in dem Zeitreisen möglich sind und Menschen mentale Kräfte entwickeln, in der Regel Telepathie und Telekinese.

Aufgrund diverser Umstände landet Nigel jedoch nicht auf Querencia, sondern auf einem bis dato unbekannten und von Menschen besiedelten Planeten namens Bienvenido. Nigel findet heraus, dass die Menschen nicht die einzigen Bewohner der Leere sind. Eine weitere raumfahrende Rasse, die Faller, sind ebenfalls in der Leere gefangen. Regelmäßig schicken sie von ihren Raumschiffen, Zerrbäume genannt, eiförmige Gebilde nach Bienvenido. Mit Hilfe dieser Gebilde, die zombieähnliche Eigenschaften entwickeln, wollen sie den Planeten erobern.

Nachdem sich Nigel auf Bienvenido häuslich eingerichtet und die Lage erkundet hat, sieht er eine Möglichkeit, die Leere quasi kollabieren zu lassen und die von Menschen besiedelten Planten in das „freie Universum“ zurückzuholen. Um die Voraussetzungen allerdings schaffen zu können, müssen in der Gesellschaft und in der Regierunge von Bienvenido einschneidende Veränderungen vorgenommen werden - notfalls auch mit Gewalt.

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Ich bin ehrlich überrascht. Normalerweise habe ich so meine Probleme mit den Büchern von Peter F. Hamilton. Leider viel zu oft präsentiert er sich für mich als gnadenloser Schwätzer vor dem Herrn, der seine Geschichten mit viel Blabla und langatmigen Erklärungen wie Kaugummi in die Länge zieht. Diese Probleme hatte ich, entgegen aller Befürchtungen, bei dem vorliegenden Werk, Der Abgrund jenseits der Träume (OT: The Abyss Beyond Dreams), diesmal nicht. Im Gegenteil, ich habe das Buch mit großem Interesse und steigender Begeisterung, quasi in einem Rutsch, gelesen.

Wieder entführt uns Hamilton in die Leere - einem Ort, der bereits im Void Zyklus eine gewichtige Rolle spielte und dessen Geheimnisse weitestgehend im Dunklen blieben. Das vorliegende Buch wird zwar als guter Einstieg für Neuleser in das Commonwealth Universum angepriesen, aber dem kann ich nicht vorbehaltlos zustimmen. Auch wenn die eigentliche Handlung des Buches, rund um Slvasta und seiner Revolte, in der Tat keine Vorkenntnisse des Lesers erfordert, so sind diese aber durchaus im Bezug auf die Rahmenhandlung vonnöten.

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt eindeutig auf den Abenteuern von Slvasta, einem Bewohner Bienvenidos. Dieser mausert sich vom einfachen Soldaten bis hin zum neuen Regierungschef des Planeten. Wie es dazu kommt und welche folgenschweren Entscheidungen er treffen muss, nimmt den Hauptteil des Buches in Anspruch. Wie alle Bewohner Bienvenidos ist Slvasta ein Telepath und ein Telekinet. Somit hat er die PSY-Sicht und verständigt sich per TeKa, der telepathischen Kommunikation. Er entwickelt sich im Verlauf der Geschichte zum Revoluzzer mit dem ehrlichen Anliegen die Welt ein Stück weit gerechter zu machen, wird aber durch seine gewonnene Macht schlussendlich selbst korrumpiert. Dieser Teil des Buch hat mit Technik, dem Commonwealth oder der Leere an sich fast überhaupt nichts zu tun. Er hätte auch in irgendeinem lateinamerikanischen Land des achtzehnten oder neunzehnten Jahrhundert spielen können, denn auf dem Niveau ist der technologische Stand des Planeten anzusetzen.

Dem gegenüber stehen die Erlebnisse von Nigel Sheldon, zuerst im Commonwealth und dann auf Bienvenido, wo ihm sein Wissen und die eingeschränkt funktionierende Commonwealthtechnik ermöglicht, einen Plan zur Zerstörung der Leere auszuhecken. Mehr als einmal kreuzen sich dabei seine Wege mit denen Slvastas. Er erkennt das Potenzial in dem jungen Mann und sieht hier die Möglichkeit, die politische Situation auf Bienvenido so zu verändern, dass die Voraussetzungen geschaffen werden um seinen eigenen Plan durchführen zu können. Beide Handlungsstränge laufen zuerst parallel, vereinen sich jedoch zum furiosen Ende hin.

Die Charakterisierungen der einzelnen Handlungsträger ist für mich sehr gelungen, die Gesellschaft auf Bienvenido plausibel dargestellt. Die Revolution wird wie aus dem Lehrbuch abgewickelt und entbehrt keiner Logik. So ähnlich wird es sich wohl schon zigmal im realen Leben abgespielt haben. Ebenso sind auch die Nebenrollen, wie Kysandra, Bethaneve Javier oder Coulan, gut gewählt und glaubhaft – wie auch der gesamte Verlauf der Geschichte.

Auch das Schicksal der verschwundenen Kolonisierungsflotte, von der im Commonwealth gemutmaßt wird das sie für die Besiedlung der Welten innerhalb der Leere verantwortlich ist, wird am Anfang des Buches, aus der Perspektive von Laura Brandt, kurz behandelt. Hier zeigt sich schon die Gefährlichkeit der außerirdischen Faller. Diese schicken von ihren Raumschiffen Eier aus, welche die Menschen psychisch so beeinflussen können, dass sie sich von ihnen angezogen fühlen. Kommt es anschließend zum körperlichen Kontakt mit den Eiern, werden die Menschen in diese absorbiert, aufgelöst und als 1:1 Kopie wieder entlassen. Nur hat diese Kopie nichts mehr mit dem ursprünglichen Menschen gemein, sondern weist nun zombieähnliche Merkmale auf und betrachtet andere Menschen fortan als Nahrungsmittel.

Ebenso eindrucksvoll präsentiert Hamilton die Leere als einen unheimlichen und nicht-Einsteinkonformen-Raum. Es gelten eigene Gesetze, Zeitreisen sind möglich. Auch durch die Anwesenheit der Faller gerät das Raum-Zeit-Kontinuum immer wieder durcheinander. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Hamilton sich etwas mehr mit der Leere und dem Schicksal der Kolonisierungsflotte auseinander gesetzt hätte, denn diese Handlungsebene ist absolut genial geschrieben und hat mein Interesse an dem Buch überhaupt erst so richtig befeuert. Hier zeigt sich einfach was für ein außerordentlich guter und einfallsreicher Erzähler Hamilton doch ist.

Obwohl die Geschichte sich durchaus spannend und plausibel lesen lässt, ist sie doch sehr unspektakulär und untechnisch – fast ungewohnt für ein Buch aus der Feder von Hamilton. Sein typisches Technik-Blabla findet sich nur am Anfang, aber allein hier merkt man schon, dass man als Leser halt doch ein gewisses Vorwissen mitbringen sollte. Auch wenn der Erzählstil dieses mal nicht so ausschweifend geworden ist, wird die Story dennoch etwas in die Länge gezogen, aber halt in einem Ausmaß, das ich nicht als störend empfinde. Das Ende ist offen, die Rettung zwar geglückt, aber halt nicht so verlaufen wie geplant. Wie es mit Slvasta, Kysandra und den ANAdroiden weitergeht, werden wir im zweiten Buch der Faller Chroniken, The Night Without Stars, erfahren.
 
 
 


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