•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Nicholas Sansbury Smith

The Extinction Cycle - Buch 1: Verpestet: Postapokalyptischer Thriller


 
»The Extinction Cycle - Buch 1: Verpestet: Postapokalyptischer Thriller« von Nicholas Sansbury Smith


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(5)

 
 
Das erste Mal kam die experimentelle Droge VX99 1968 in Vietnam zum Einsatz. Die Folgen waren verheerend, fast ein ganzer Zug Marines fiel dem Blutrausch, in den sie durch die Droge versetzt wurden, zum Opfer. Nur ein Mann überlebte, mehr Monster als Mensch.

47 Jahre später bricht in Afrika eine Ebolaepidemie aus, die sich schnell verbreitet und für unzählige Opfer sorgt. Da der Virus seit dem letzten Ausbruch mutiert ist, wird fieberhaft nach einem neuen Heilmittel gesucht. Die Erleichterung ist groß, als ein Mediziner vom USAMRIID ein potentielles Heilmittel gefunden zu haben scheint. So jedenfalls wird es von seinem unmittelbaren Vorgesetzten publik gemacht.

Was jedoch niemand ahnt ist die Tatsache, dass der Mediziner lediglich unter dem Vorwand ein Heilmittel gegen Ebola zu suchen, an einer neuen biologischen Waffe gearbeitet hat und dabei das Ebola Virus als Träger eingesetzt hat. Was er erschaffen hat, ist die tödlichste Waffe die jemals auf die Menschheit losgelassen wurde. Sie ist eine Kombination aus VX99 und dem Ebola Virus. Sie verändert den meschlichen Körper und macht ihn schlichtweg zu einem Monster. Einer der Wissenschaftler, bereits unerkannt mit dem Virus infiziert, verläßt die Einrichtung und trägt so zur Verbreitung der Seuche weltweit bei. Kein Land der Erde wird verschont und so wie es ausschaut, wird die Waffe für den Untergang der Menschheit sorgen.

---

Bis ich dieses Buch in die Hände bekommen habe, hatte ich noch nie etwas von dem Autor gehört, geschweige denn gelesen. Umso überraschter war ich, wie gut, spannend und äußerst unterhaltsam er schreiben kann. In der Tat ist The Extinction Cycle, Buch 1: Verpestet (OT: The Extinction Cycle ‚ # 1) eines der wenigen Bücher, für das ich nur lobende Worte finden kann. Die Mischung aus Military, Thriller, Wissenschaft und Horror hat mich in diesem postapokalyptischen Werk schlichtweg vom Hocker gehauen. Die knapp 440 Seiten hatte ich in gut 2 Tagen gelesen – und das will bei mir (mittlerweile) wirklich etwas heißen.

Das Buch hat mich stark an die „Morningstar-Strain“ Reihe des leider viel zu früh verstorbenen Autors Zachary Allan Recht erinnert. Eine Reihe, die mir damals schon ausgesprochen gut gefallen hat. Nicholas Smith legt noch eine Schüppe drauf, ist noch eine Spur ekeliger und noch einen Tick spannender. Langeweile kommt gar nicht erst auf, denn die Story schreitet ohne überflüssigen Rotz oder langatmigen Nebenhandlungen zügig voran. Genaugenommen fällt mir ad hoc auch nichts ein, was ich an dem vorliegenden Buch auszusetzen habe. Das erscheint selbst mir seltsam, aber so ist es nun mal.

In verschiedenen Handlungsabschnitten führt Smith seine Protagonisten ein. Was zuerst etwas unzusammenhängend und wahllos ausschaut (der Vietnamkrieg 1968, ein Ebola Ausbruch in Afrika 2015, ein Delta Force Team und eine Laboreinrichtung im CDC) wird im Verlauf der Handlung geschickt miteinander verknüpft. Alle Fäden laufen zusammen, verbinden sich und schaffen so eine durchgehende und ungemein spannende Handlung und Atmosphäre. Wie exakt die wissenschaftlichen Erklärungen von Smith, hinsichtlich des erschaffenen Virus, genau sind, kann ich natürlich nicht beurteilen. Sie wirken aber keinesfalls an den Haaren herbeigezogen oder jenseits aller Möglichkeiten. Und das ist wirklich sehr beängstigend.

Die Kombination von VX99 (hoffentlich nur eine fiktive Droge, aber man weiß ja nie) und Ebola ist auf den ersten Blick genial. Durch VX99 werden bestimmte deaktivierte Gene im menschlichen Körper wieder aktiviert. Um für eine umfassende Ausbreitung zu sorgen, werden sie mit dem tödlich wirkenden Ebola Virus verknüpft. Da die Ebola-Infizierten in der Regel nur eine verhältnismäßig kurze Lebenserwartung haben und im Verlauf der Infekttion quasi verbluten (hämorrhagisch), ist das Gebiet in dem die Seuche auftritt daher auch relativ begrenzt. Die Todesursache ist durch die aufgetretenen Symptome auch klar und somit würde niemand eine biologische Waffe vermuten. Dummerweise, hat der Mediziner vom USAMRIID aber bei seinen Genexperimenten einen Fehler begangen und ungewollt verhindert, dass die Infizierten verbluten können. Und da sie nicht verbluten, sterben sie auch nicht und haben so alle Zeit der Welt, um für eine umfassende Ausbreitung der Pandemie zu sorgen.

Das Erschreckende an den Infizierten ist, dass sie unheimlich schnell sind und über übermenschliche Fähigkeiten verfügen. Es sind keine Toten, also keine Zombies, sondern genmodifizierte Monster. Spiderman gleich können sie an Wände und Decken laufen oder ihre Körper über das übliche Maß hinaus verformen. All das ist hervorgerufen durch die Aktivierung der brachliegenden Gene im menschlichen Körper. Wobei es doch etwas überrascht, wie schnell die körperliche Modifizierung eintritt.

Die Charaktere wirken alle sehr authentisch und überzeugend. Keiner, weder Wissenschaftler noch Ärzte noch Soldaten, zeigen sich unbeeindruckt von der Seuche – obwohl ihr tägliches Geschäft ja der Umgang mit dem Tod ist. Ihr Empfinden und ihre seelische Verfassung wirkt nicht gekünstelt. Da ist keiner, der Angesichts der Katastrophe irgendwelche lockeren Sprüche klopft. Alle sind geschockt und das macht sie menschlich, auch die harten Kerls der Delta Force Einheit.

Die Atmosphäre die das Buch vermittelt ist düster, unheilschwanger und apokalyptisch. Der Weltuntergang steht bevor und niemand kann ihn aufhalten. Als letztes Mittel um die Seuche noch aufzuhalten, befiehlt man die Bombardierung der eigenen Städte - mit dem Schwerpunkt Krankenhäuser. Dem Ort also, an den die Infizierten als erstes gebracht werden und der damit ein Sammelpunkt darstellt. Für jeden Schritt vor, muss man wieder zwei zurück gehen. Auch das vermeintliche Heilmittel entpuppt sich nur als begrenzt wirksam.

All das, hat Nicholas Smith wirklich wunderbar und eindrucksvoll zu Papier gebracht. Sein Stil, seine Art zu schreiben und die Dinge darzulegen, hat mich schwer beeindruckt. Obwohl ich Lob in der Regel immer etwas sparsam verteile (es gibt immer jemanden der noch schneller ist oder noch besser schreibt) ist das vorliegende Buch aber dennoch einer meiner Lesehöhepunkte im laufenden Jahr. Ich muss unbedingt wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Immerhin sind im Festa Verlag bereits die ersten drei von bisher sieben Büchern der Reihe im Angebot.

Fazit
Rasant, spannend, gut, kompromisslos – KAUFEN!
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton