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Jörg Benne

Das Schicksal der Paladine 1
Verschollen

  • Autor:Jörg Benne
  • Titel: Verschollen
  • Serie:Das Schicksal der Paladine 1
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Koios Verlag in Praesens
  • Datum:01 September 2012
  • Preis:14,50 EUR

 
»Verschollen« (Das Schicksal der Paladine 1) von Jörg Benne


Besprochen von:
 
Sachmet
Deine Wertung:
(5)

 
 
Tristan ist absolut sauer auf seinen Vater, der grundsätzlich nie da ist, wenn man ihn braucht. Zu viele wichtige Termine hat er schon vergessen, als Ausrede gilt immer sein Job auf einer Bohrinsel, der ihm anscheinend wichtiger ist als seine Frau und seine beiden Kinder.
Als Tristans Schwester Svenja nach einem Unfall schwer verletzt im Koma liegt und sein Vater nicht erreichbar ist, platzt dem Jungen der Kragen und er macht seiner Mutter schwere Vorwürfe, da sie die Abwesenheit ihres Mannes scheinbar gelassen hinnimmt. Sie gesteht Tristan, dass sie schon mehrmals versucht hat, ihren Mann Darius zu erreichen, dass aber über alle vorhandenen Kontaktdaten niemand erreichbar ist. Schließlich fasst sie sich ein Herz und gesteht ihrem Sohn, dass Darius keinesfalls auf einer abgelegenen Bohrinsel arbeitet. Ihr Mann ist ein Paladin. Einer der ausgewählten Menschen, die durch ein Portal eine fremde Welt betreten können. Einst fanden die Vorfahren der Paladine ein Amulett, dass in der Lage ist, ein Portal in diese Welt zu schaffen. In dieser fremden Welt sind die Paladine mächtige Magier und Kämpfer.
Um seine Schwester zu retten und seinen Vater zu finden, begibt sich Tristan durch das Portal in die Welt Nuareth und trifft auf der Insel Nasgareth ein. Als Nachkomme eines Paladin hat er dabei keinerlei Probleme. Dumm nur, dass beim seinem Eintreffen dort ein zweiköpfiger Drache auf ihn wartet und ihn seiner ersten Prüfung unterzieht. Tristan, der keinerlei Ausbildung zum Paladin genossen hat und nichts über die fremde Welt weiß, wird vor eine fast unmögliche Aufgabe gestellt. Zum Glück weist ihm Smurk, der Drache, den Weg zu Martin, einem Wirt, der so ziemlich alles über die fremde Welt weiß. Da auch Martin wissen möchte, was mit den Paladinen passiert ist, begibt er sich mit Tristan auf die Reise und wird für den Jungen ein treuer Freund und Helfer.
Kommentar:
Hier handelt es sich um ein Jugendbuch, somit gehöre ich nicht zur Zielgruppe. Aber mich hat das Buch sehr gut unterhalten. Die Geschichte ist sehr flüssig und fesselnd erzählt und bietet dem jungen Leser alles, was das Herz begehrt.
Ich persönlich mag es nicht, wenn junge Helden, die ein normales und alltägliches Leben geführt haben, plötzlich, fast über Nacht, zu starken und fast unbesiegbaren Helden mutieren. Hier ist die Wandlung allerdings sehr glaubhaft. Durch den Wechsel in die fremde Welt wird Tristan automatisch zu einem Paladin. Es erscheinen Male auf seiner Haut, die es ihm ermöglichen Magie zu wirken. Durch verschiedene Kombination kann man Heilzauber, Defensivzauber oder auch Angriffszauber wirken. Natürlich hat Tristan zu Beginn keine Ahnung, was die Male bedeuten und wie sie zu benutzen sind. Das muss er leider oft schmerzhaft erfahren. Erst als sie in Nephara ankommen und das Haus der Paladine aufsuchen, bekommt Tristan einen Einblick in das Leben und die Aufgaben eines Paladins. Und die Magie macht die Paladine nicht unbesiegbar. Da die Kraft zur Nutzung der Magie aus ihrem Inneren kommt, zehrt sie an ihren Kräften. Nur jahrelange Übung macht einen Paladin stärker und fast unbesiegbar.
Niemand hat den jungen Mann auf die grausame Welt des Krieges vorbereitet. In Nasgareth gibt es nichts, was das Leben angenehmer macht. Keine ordentlichen Toiletten, keine Kühlschränke, kein fließendes, warmes Wasser. Es ist eine mittelalterliche Welt mit Bauern, Handwerkern, Fürsten und Kriegern.
Jörg Benne schildert hier sehr glaubhaft und überzeugend die Angst und das Entsetzen Tristans, als dieser seinen ersten Kampf erlebt. Kämpfe, die er nur aus dem Fernsehen kennt und deren Bilder nicht im entferntesten an die grausame Brutalität der Realität herankommen. Er erstarrt regelrecht vor Angst und ist seinen Gefährten im ersten Kampf keine große Hilfe.
Er lernt in der fremden Welt Verlust und Trauer aber auch tiefe Freundschaft und erste Liebe kennen. Das pralle, deftige und ursprüngliche Leben dort hat schon seinen Vater Darius fasziniert, jetzt zieht es ihn in seinen Bann. Und diese Entwicklung wird sehr langsam und glaubhaft erzählt.
Jörg Benne ist inhaltlich und stilistisch sehr routiniert, Sprache ist für ihn ein Werkzeug, dass er meisterhaft beherrscht. Er bringt die Freude, Trauer, Angst und Wut sehr überzeugend zum Ausdruck und die Spannung ist fast mit den Händen greifbar.
Neben Tristan und Martin gib es noch weitere Figuren, die den Leser sofort in ihren Bann ziehen. Angefangen von Johann, einem alternden Paladin, der seine Führerschaft an Darius abgeben hat bis hin zu den Paladjur, Nachkommen der Paladine, welche diese auf Nasgareth gezeugt haben. Der Zwiespalt der Menschen, die zwischen den Welten wandern und zwei Leben führen, berührt den Leser. Da die Zeit in beiden Welten sehr unterschiedlich verläuft, können in Nuareth Jahre vergehen, während in unserer Welt lediglich ein paar Monate vergangen sind. Letztendlich findet Tristan seinen Vater und muss sich einigen bitteren Wahrheiten stellen.
Ich kann dieses Buch auch älteren Lesern empfehlen, die ihre Kindlichkeit noch nicht verloren haben. Die Stunde des Helden ist erwachsener geschrieben und wirkt auch düsterer aber die Paladin Bände brauchen sich dahinter nicht zu verstecken. Da sie für jüngere Leser geschrieben sind, wirken sie nicht ganz so drastisch aber unbequeme Wahrheiten werden hier ebenso sehr direkt angesprochen. Krieg und Verrat sind niemals harmlos und der Autor verharmlost hier auch nichts. Langatmigkeit ist hier ein Fremdwort, die Handlung schreitet kontinuierlich voran und hält den Leser in Atem. Das Cover vermittel einen ersten Eindruck, was den Leser erwartet. Eine Karte der Welt und der Insel ergänzen diese spannende Geschichte.
 
 
 


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