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Graham McNeill

Warhammer - Horus Heresy
Die verstoßenen Toten: Die Wahrheit liegt im Inneren


 
»Die verstoßenen Toten: Die Wahrheit liegt im Inneren« (Warhammer - Horus Heresy) von Graham McNeill


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Der Astropath Kai Zulane und die Navigatorin Roxanne Castana sind die einzigen Überlebenden des imperialen Schiffes ARGO. Da Zulane sich die Schuld an dem Untergang des Schiffes und dem schrecklichen Tod von Tausenden von Menschen gibt, verfällt er in Depressionen und verliert seine Gabe. Nachdem er auf Rat seines Betreuers daraufhin zur Rehabilitation wieder in die Arme des Adeptus Astra Telepathica überstellt wird, entscheidet sich nun auf Terra sein weiteres Schicksal.

Während einer seiner mentalen Übungen, begegnet er im Traum einem Kognoskynthen, der Zulane eine ominöse Botschaft hinterlässt, welche für den Ausgang des Bruderkrieges, der Horus Heresy, von bedeutendem Interesse sein könnte. Diese Botschaft jedoch, versteckt der Kognoskynth im Unterbewusstsein von Zulane. An dem Ort, an dem sich auch die tragischen Erlebnisse rund um die Vernichtung der ARGO befinden und an die Zulane sich nicht erinnern möchte und die er darum auch ausblendet. Selbst wenn er es also wollte, könnte er die ihm gegebenen Informationen gar nicht abrufen. Da Zulane aber nun über wichtige Informationen, die den Ausgang des Krieges beeinflussen könnten, verfügt, wird er als Sicherheitsrisiko eingestuft und zum Verhör in das Gefängnis von Khangba Marwu überstellt.

Dort macht er die Bekanntschaft von Atharva, einem mächtigen Psioniker, der sich auf die Seite von Horus geschlagen hat und darum ebenfalls als Verräter inhaftiert wurde. Atharva erkennt die Bedeutung von Zulane und seinem Geheimnis. Da er Zulanes Informationen Horus und seinen Getreuen zukommen lassen möchte, plant er einen Ausbruch. Mit der Hilfe von weiteren inhaftierten Verrätermarines entkommt er und sucht einen Weg Terra zu verlassen. Aber, die imperialen Häscher sind ihnen bereits auf der Spur.

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Mit Die verstoßenen Toten (Original The Outcast Dead) legt der Black Library Verlag den nunmehr 17. Band aus der Reihe Der große Bruderkrieg (The Horus Heresy) vor. Näheres dazu, kann man auf der Homepage des Verlages www.blacklibrary.com/de nachlesen.

Böhmische Dörfer
Mal ganz ehrlich, für jemanden wie mich, der noch relativ neu im Warhammer Universum ist und sich erst einmal einlesen muss, ist der vorliegende Band schon recht kompliziert und schwierig. Das liegt nicht etwa an der Handlung selber, sondern vielmehr an den vielen Ausdrücken und Bezeichnungen mit denen Graham McNeill so um sich wirft. Die vielen „Unterabteilungen“ des Imperiums (so will ich es der Einfachheit halber mal nennen) sind doch zahlreich und weit verzweigt, ebenso wie die Beziehungen der Charaktere untereinander. Da gibt es die Imperialen Marines, die Ultramarines, die Custoden, die Praetorianer, die Kognoskynthen und die Kryptästhesier ebenso wie die Adepten, Chormeister, Astropathen und Kladenmeister. Die Liste von teils unaussprechlichen und schwierig zu schreibenden Namen und Bezeichnungen ließe sich beliebig fortführen. Das kann, so geballt einem relativen Neuling präsentiert, schon mal für Verwirrung sorgen. Aber, man sollte sich davon nicht abschrecken oder beeindrucken lassen, denn wenn es einem erst einmal gelungen ist das Beziehungsgeflecht zu entwirren und zu ordnen, wird man mit einer spannenden und unterhaltsamen Geschichte belohnt.

Loyalität oder Kadavergehorsam?
Ein zentrales Thema dieses Buches ist natürlich der Bruderkrieg, der Grund von all dem, was gerade passiert. Da sagt sich ein Sohn von seinem Vater los und entfesselt damit einen Krieg, der gleich ein ganzes Imperium entzweit. Der Grund für diese Häresie ist noch nicht einmal wirklich nachvollziehbar, es geht einfach nur um gekränkte Eitelkeit. Ein Sohn der befürchtet, seinem Vater könnte der ganzen Ruhm zufallen, den er jedoch für sich selber beansprucht. Während das Ansehen seines Vaters wächst, werden die Heldentaten des Sohnes in Vergessenheit geraten. Falsche Freunde und Berater verschlimmern noch die Situation. Aber, wenn der Sohn Unzufrieden ist, warum folgen ihm seine Truppen? Was haben sie damit zu schaffen? Wem sind sie zu Gehorsam verpflichtet? Ihrem Kommandeur oder ihrem Obersten Dienstherren? Athvara, der Psioniker, bringt es auf den Punkt: Warum schließt sich jemand den Verräterprimarchen an, obwohl man deren Motive, warum genau sie rebellieren, gar nicht kennt? Einfach nur aus Loyalität gegenüber seinen Waffenbrüdern und Vorgesetzten? Reicht das aus? Ist der Primarch wichtiger oder bedeutender als der Imperator? Darf man Soldaten verhaften, deren einzige Verfehlung es ist Mitglied einer Verräterlegion zu sein - ohne das diese jemals Aktionen gegen das Imperium unternommen haben? Viele der in Khangba Marwu inhaftierten Soldaten, Sergeant Tagore oder Soldat Asubha von den World Eaters zum Beispiel, sitzen nur aus diesem Grund im Gefängnis.

Böser Cop, guter Cop
Wer sind eigentlich die Guten und die Bösen im vorliegenden Buch? Für jemanden den man des Verrats angeklagt hat, erscheint nicht nur Atharva recht vernünftig. Auch seine mitinhaftierten Waffenbrüder aus den anderen Verräterlegionen, machen sich ihre durchaus tiefsinnigen Gedanken. Damit kommen sie wesentlich sympathischer rüber als manche ihrer imperiumstreuen Wächter oder Verfolger, die, blind vor Hass und Rachsucht, auch nicht davor zurückschrecken Unschuldige bei ihrer Jagd zu töten. Das bringt mich zu folgender Frage: Kann ein Mensch gut sein, wenn er zu den Bösen gehört? Oder, anders gefragt, kann ein Mensch böse sein wenn er zu den Guten gehört? McNeill liefert hier ein eindeutiges jein. Und das zurecht, denn nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe macht aus einem Menschen einen Guten oder einen Bösen, sondern einzig und allein seine Handlungen. Und das, ist ein durchaus wichtiger Punkt im vorliegenden Buch. Es erklärt, warum man die Verräter Tagore oder Atharva durchaus sympathisch finden und mit ihnen mitfiebern kann, während man den imperiumstreuen Leuten, wie Golovko oder Hiriko, die Pest an den Hals wünschen darf.

Der kosmische Quizmaster
Ich weiß etwas, was du nicht weißt, nämlich eine Botschaft, die keinem so wirklich weiterhilft. Der Ausgang ist / kann kriegsentscheidend (sein) – aber nur, wenn man die Botschaft kennt. Und darum will auch jeder von Zulane wissen was er weiß. Nur, wenn man tatsächlich mit der Weitergabe, oder eben der Nichtweitergabe der Botschaft, die Zukunft ändern kann – es aber im Grunde gar nicht möchte, warum gibt man die Botschaft dann überhaupt weiter? Warum erspart der Kognoskynth sich nicht ganz einfach den Besuch im Traum von Zulane? Liegt es an seinem ebenso ominösen Satz: Manchmal besteht der einzige mögliche Sieg darin, seinen Gegner davon abzuhalten, das Spiel zu gewinnen? Oder handelt es sich bei dem Kognoskynthen (dessen wahre Existenz im Lauf der Geschichte enthüllt wird) einfach nur um eine Art kosmischen Quizmaster? Der Grund seiner Nachricht an Zulane will sich mir nicht wirklich erschließen.

Die Sünden der Vergangenheit
Es gab einmal eine Zeit, in welcher der Imperator auf die Kriegskunst seiner Streiter, an deren Seite er noch höchstpersönlich gekämpft hat, angewiesen war. Einer dieser Krieger war sein Blitzträger Babu Dhakal, auch bekannt als der Donnerlord. Pech nur für ihn, dass der Imperator seinen Sieg nicht mit ihm teilen wollte. Zur Legende wird man halt nur, wenn man einen Krieg eigenhändig gewinnt und nicht mit einer unbesiegbaren Armee im Rücken. Dhakal und seine Getreuen wurden zugunsten des Genmusters der Legiones Astartes ausgemerzt. Irgendwie gelang es Dhakal und seinen engsten Getreuen jedoch am Leben zu bleiben (gerade so eben), den Verfall des Alters zu überstehen (mehr oder weniger) und auf Terra, in der Stadt der Bittsteller, unterzutauchen. Nachdem er von der Flucht der Verrätermarines gehört hat, erhofft er sich durch den Kontakt mit diesen und durch die Entnahme einer Genprobe, unsterbliches Leben. Sehr zum Leidwesen aller Beteiligter, wird er die dritte Partei die bei der Verfolgungsjagd munter mitmischt. Jedesmal, wenn man glaubt es gibt keine größeren oder kräftigeren Krieger mehr, zaubert McNeil einen noch größeren und noch kräftigeren Krieger aus dem Ärmel. Diese Superlative hat Tradition und liest sich immer wieder gut.

Fazit:
Graham McNeill liefert mit Die verstoßenen Toten einen spannenden und interessanten Roman ab. Die Handlung braucht etwas Zeit um auf Touren zu kommen, nimmt den Leser dann aber gefangen und mit auf eine actionreiche Reise, ganz nach Warhammer Art. Seine Charaktere entpuppen sich als vielschichtig und gut ausgearbeitet. Der Schreibstil ist geprägt von vielen Fachausdrücken und einem hohen Maß an Kompetenz was das Wissen um die Serie anbelangt. Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und mir eine kurzweilige Unterhaltung beschert. Es zeigt, dass das Warhammer Universum mehr sein kann also nur ein Ort, an dem sich plumpe Männer in plumpen Kämpfen mit Hilfe von Kettenschwerten, Boltern oder Meltern die Köpfe einschlagen. Ich kann das Buch durchaus empfehlen.

 
 
 


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