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Anke Höhl-Kayser

Das Geheimnis der Sternentränen


 
»Das Geheimnis der Sternentränen« von Anke Höhl-Kayser


Besprochen von:
 
Sachmet
Deine Wertung:
(5)

 
 
Jade ist eine junge Frau von der Erde, die noch nie in der freien Natur unterwegs war, den Sand unter ihren Zehen oder die Sonne und den Wind auf ihrer Haut gespürt hat. Die Menschen haben in ihrer Gier und Unvernunft die Erde fast an den Rand der Katastrophe getrieben, ihre Ressourcen aufgebraucht und die Umwelt zerstört. Sie leben eingeengt in Wohntürmen, ihre Leben ist eingeschränkt, Individualität nicht erwünscht. Man muss sich anpassen , um zu überleben. Obwohl Jade mit dem Strom schwimmt, herrscht in ihr ein rebellischer Geist. Sie träumt von einem Leben auf einer einsamen Insel und möchte der bedrückenden Enge der Wohntürme gerne entfliehen. Sie kann nicht akzeptieren, dass eigene Gedanken und Wünsche oder Privatsphäre etwas negatives ein sollen.
Als sie eines Tages für ein besonderes Forschungsprojekt ausgewählt wird, kann sie ihr Glück kaum fassen, denn es bedeutet, dass sie wenigstens für eine kurze Zeit die Türme verlassen kann.
Ranon ist ein junger Mann, der auf dem Planeten Ägeon lebt. Er ist ein Waisenjunge und wurde vom Schmied des Dorfes angenommen und aufgezogen. Sein Frühstück besteht aus Schlägen, sein Mittagessen aus Tritten und sein Abendessen aus der Häme und Verachtung seiner Stiefgeschwister. Er empfindet eine starke Zuneigung zu der Tochter seines Lehrers aber die junge Frau sieht in Ranon nur einen dreckigen, tollpatschigen jungen Mann, der ihrer Liebe nicht wert ist.
Das Leben auf Ägeon ist nicht leicht, die Geburtenrate ist rückläufig, viele Kinder sterben, noch bevor sie laufen können und giftige Dämpfe zerstören die Umwelt.
Als sich Jades und Ranons Wege unverhofft kreuzen wird klar, dass ihre Schicksale miteinander verbunden sind und sie nur gemeinsam ihre Welten retten können, die beide vor dem Untergang stehen.
Kommentar:
Die Vielseitigkeit der Autorin setzt mich immer wieder in Erstaunen. Ihr Buch magische Novembertage empfand ich als sehr märchenhaft, eher an junge Leser gerichtet. Die Schatten von Sev-Janar setzt sich mit dem Tod und dem Verlust auseinander, auch wenn die Protagonisten Tiere sind, regt es sehr zum Nachdenken an und berührt und fordert den Leser. Und nun eine Dystopie.
Die Welt im Jahre 2162, ein Leben in freier Natur ist nicht mehr möglich, für das Gemeinwohl muss das Wohl des Einzelnen aufgegeben werden. Frauen sitzen in allen führenden Positionen, Sexualität gibt es nicht mehr, auch keine natürlichen Geburten. Präimplantationsdiagnostik schafft den perfekten Menschen, geschaffen für die jeweilige, vorher bestimmte Aufgabe. Ein bedrückendes aber durchaus vorstellbares Szenario.
Auch auf Ägeon stehen die Menschen vor dem Untergang. Obwohl die Entwicklung beider Welten ähnlich verläuft, leben Bewohner sehr unterschiedlich. Mittelalter gegen moderne Technik.
Als Ranon und Jade sich treffen zweifelt der Leser zu Beginn an der Glaubwürdigkeit der Beziehung. Eine 32jährige Frau und ein 18jähriger Junge scheinen kaum als ideales Paar geeignet. Allerdings sollte man bedenken, dass Jade emotional unreif ist, sich ihrer Träume, Wünsche und Bedürfnisse nicht bewusst. Aufgefangen im Netz der Gesellschaft, dadurch aber auch eingeschränkt. Während Ranon immer ohne ein Netz war, ein einsamer junger Mann, der sich Zeit seines Lebens gegen Schikane und Ungerechtigkeit wehren musste. Er hat nichts mehr zu verlieren und durch seine täglichen Kampf hat er eine Reife jenseits seines Alters erreicht. Sie ergänzen sich und bilden eine Einheit.
Dazu kommt Melody. Sie ist herzerwärmend in ihrer kindlichen Einfachheit. Die Autorin formuliert es so: "Die mit dem Herzen denkt." Besonders berührt hat mich die Szene, in der sie Ranon und Jade an den Händen fasst und sagt." Jetzt sind wir das Netz." Was für ein Kontrast zu dem Netz der High Chancellor Gold. Für mich ist Melody die Seele dieses Romans, sie verfügt über ein offenes Herz und ein schlichtes aber ehrliches Gemüt. Sie geht ohne Vorurteile auf Fremde zu. Ihre Emotionen liegen dabei immer an der Oberfläche, sie verbirgt nichts sondern konfrontiert ihr Gegenüber direkt damit und entwaffnet diese durch ihr Verhalten.
Während die Erde ausschließlich von Menschen als intelligente Spezies bewohnt wird, hat sich auf Ägeon noch eine weitere Spezies entwickelt, die Schwarzfeuer, am ehesten mit den legendären Drachen zu vergleichen. Ihnen wird die Schuld an den Problemen auf Ägeon gegeben und die Menschen und Echsenwesen liegen seit Jahrhunderten im Krieg miteinander. Ranon überwindet seine Vorurteile gegen die Schwarzfeuer und freundet sich mit Keiare an, die ihn durch den Dimensionstunnel begleitet. Da die Drachenwesen sehr langlebig sind, weiß Keiare, dass die Rettung der Welt und Frieden nur erreicht werden können, wenn die alte Feindschaft überwunden wird, denn jede Spezies verfügt über ein Puzzleteil zur Rettung der Welt.
Während die jungen Leute versuchen, die Welt zu retten, treiben die Herrscher beider Welten ihre Pläne voran, die jeweils andere Welt zu erobern. Wer wird als erster sein Ziel erreichen?
Die Geschichte entfaltet sich langsam und zu Beginn fragt man sich, was die beiden doch sehr unterschiedlichen Welten verbindet.
Anke Höhl-Kayser schafft es mir diesem Roman wieder, den Leser von der ersten Seiten an zu fesseln. Der Wechseln zwischen den Welten, die Schilderungen aus der Sicht Jades, Ranons oder Melodys sorgen für Spannung und Abwechslung. Auch die Nebencharaktere wie Cobalt, Wygo oder Ruby sind gut getroffen und wirken glaubhaft und überzeugend. Die einfachen und klaren Namen erleichtern es dem Leser sehr, der Handlung zu folgen.
Und wie der Leser meiner Rezension sicherlich bemerkt hat: Ich bin nicht auf das Geheimnis der Sternentränen eingegangen, das soll bitte jeder selbst herausfinden. Und zu einem schönen Buch gehört natürlich ein schönes Cover, hier ist es absolut gelungen.
Fazit:
In klaren, ausdrucksstarken Worten ist ein beeindruckender SF Roman entstanden, den ich jedem Leser mit ruhigem Gewissen an Herz legen kann. Die Genrezuteilung sollte niemanden abschrecken, der keine SF mag. Das Buch ist sicherlich für jeden Leser geeignet, der eine schöne und berührende Geschichte zu schätzen weiß.
 
 
 


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