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Andreas Brandhorst

Das Arkonadia-Rätsel: Ein Roman aus dem Omniversum


 
»Das Arkonadia-Rätsel: Ein Roman aus dem Omniversum« von Andreas Brandhorst


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Omni, der Zusammenschluß mehrerer Superzivilisationen, schickt seine beiden neuesten Mitarbeiter, Jasper und Jasmin, aus, um ein seit tausenden von Jahren bestehendes Rätsel zu lösen. Im Arkonadia System materialisiert alle 453 Jahre ein Raum-Zeit-Phänomen, Nerox genannt. Alle zuvor von Omni ausgeschickten Mitarbeiter scheiterten bei dem Versuch das Geheinmis zu lösen kläglich.

Nun sollen sich Jasper und seine Tochter Jasmin nicht nur an der Auflösung versuchen, sondern auch gleichzeitig das Schicksal der letzten, mit diesem Job beauftragten Reisenden im Dienst von Omni namens Samantha, klären. Erschwerend kommt hinzu, dass Omni die beiden nur sehr spärlich mit Informationen versorgt. Offensichtlich weiß man dort mehr über dieses Phänomen als man zugeben will. Sehr zum Ärger von Jasmin, die sich noch nicht wirklich mit Omni und deren Zielen identifizieren kann.

Diese Mission stellt für Vater und Tochter eine Art Bewährungsprobe dar, denn sie soll darüber entscheiden ob die beiden auch künftig in den Diensten von Omni stehen werden. Und künftig kann durchaus für die nächsten zehntausend Jahre bedeuten.

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Und wieder einmal hat der Vielschreiber aus NRW in seinem selbstgewählten Exil in Niedersachsen zugeschlagen. Es ist für mich ein Rätsel, woher Andreas Brandhorst all seine Ideen und Geschichten hernimmt und wie er es immer wieder schafft, Jahr für Jahr solch ein hohes Output abzuliefern. Wobei das Output für mich aus sehr lesenswerten, unterhaltsamen und überaus spannenden Abenteuern besteht. Momentan ist Andreas Brandhorst für mich nicht nur der beste deutsche SF Autor, sondern er kann sich auch mühelos mit seinen amerikanischen und britischen Kollegen messen. Hut ab, kann ich da nur sagen!

Das Arkonadia Rätsel ist nach Omni das zweite Buch, das im Omniversum (eine Brandhorst’sche Namensschöpfung) spielt. In beiden Büchern, rückt ein Vater-Tochter Gespann in den Mittelpunkt des Geschehens. Auch wenn ich Omni (noch) nicht gelesen habe, so kann ich doch mit Fug und Recht behaupten, dass diese Vorgeschichte nicht zwingend gelesen sein muss um Das Arkonadia Rätsel zu verstehen. Vermutlich macht das Buch aber dennoch mehr Spaß, wenn man auch Omni gelesen hat.

Wie man es von Brandhorst gewohnt ist, hat er wieder jede Menge interessanter Haupt- und Nebenfiguren kreiert. Das nun körperlich/genetisch veränderte Vater/Tochter Gespann besticht durch seine Gegensätzlichkeit. Der Vater, der Omni voll und ganz zu vertrauen scheint, und seine Tochter, die mit Omni hadert und eigentlich pausenlos Gründe sucht, um ihr Misstrauen zu untermauern.

Dann gibt es noch den Werkzeugmacher Zirzo, aus dessen Sicht ein nicht unerheblicher Teil des Buches geschildert wird. Er ist ein alter Mann, der nach dem Tod seiner Familie eigentlich nur noch sterben will, zuvor jedoch eine Aufgabe zu erfüllen hat. Er soll den Schlüssel zum Nerox erschaffen, mit dessen Hilfe man sich für die nächsten 453 Jahre möglicherweise die Macht auf Arkonadia sichern kann. Auch lernen wir Samantha kennen, die ebenfalls von Omni zur Lösung des Nerox Geheimnisses auf den Planeten gesandt wurde. Die großen Widersacher von Omni, und der Prüfstein für Jasmin, ist Balthasar, halb Mensch, halb Maschine und die Mitglieder seiner Projekt Futur Gruppe.

Neben der eigentlichen Frage was genau das/der Nerox überhaupt ist, geht es auch um das zukünftige Schicksal von Jasmin. Durch die Einflüsterungen von Balthasar, fragt man sich auch als Leser, was nun Wahrheit und was Lüge ist. Balthasar entpuppt sich als geschickter Manipulator, der Jasmin genau das erzählt, was sie hören möchte. Seine Geschichte klingt plausibel und ist daher so gefährlich. Diesen Aspekt hat Brandhorst sehr gut beschrieben und mit Sicherheit auch Zweifel an den Motiven von Omni bei so manchem Leser gesät.

Ein weiterer Aspekt des Buches ist die Story um Zirzo. Anfangs noch ein wichtiger Handlungsträger und mit sehr viel Feingefühl in Szene gesetzt, verfällt seine Rolle zum Ende hin jedoch mehr und mehr. Nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hat, scheint auch Brandhorst nicht mehr ganz so viel mit ihm anfangen zu können. Er wird zum fünften Rad am Wagen und geht als Handlungsträger leider verloren. Dafür rücken jedoch mit dem Dahlmann und Stef Kremser zwei, sorry, eher lächerliche Figuren in den Mittelpunkt. Aus der Danksagung am Ende des Buches erfährt man zwar den Hintergrund der beiden Figuren, aber das macht es auch nicht besser.

Die Zugpassage bremst für mich die eigentliche Geschichte nicht nur total aus, sondern sie wirkt aufgesetzt und geradezu lächerlich. Wenn Brandhorst schon etwas aus dem Nexus erzählen will, warum muss es dann gerade so etwas sein? Mal davon abgesehen das die ganze Zugpassage weder besonders sinnvoll noch unterhaltsam ist, bringt sie auch die Handlung in keinster Weise voran. Lukas der Lokomotivführer meets den Polarexpress. Auf diesen Teil der Geschichte hätte ich gerne verzichten können.

Wieder etwas spannender wird dann die Auflösung um das Nerox Geheimnis. Wobei ich mich dann jedoch frage, warum Omni es nicht all die tausende von Jahren zuvor geschafft hat es zu lösen. Selbst zwei oder drei der Arkonadia Hinterwäldler haben es ja geschafft, die Macht des Nerox an sich zu reißen und zu nutzen – was immer das auch heißen mag, denn dieser Aspekt der Regenschaft auf dem Planeten wird nicht näher erläutert. Wie haben die Regenten denn wohl die Macht des Nerox genutzt? Immerhin wird diese als Omni-gleich beschrieben.

Das die Nerox zudem nach erfolgreicher Inbesitznahme dann so sang- und klanglos abdüst, („Tschüss, wir sind dann mal weg“) hat mich etwas überrascht. Das Teil hatte immerhin die Macht, Omni in die Knie zu zwingen. Allein der Umstand das die neue Kommandantin pro Omni ist, ist doch etwas düftig. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass man aus der überraschenden Wandlung von einer Raum-Zeit Anomalie hin zu einem Raumschiff, einfach mehr hätte machen können. Auch die letzte Pandora wurde ein wenig stiefmütterlich abgehandelt.

Wie gewohnt, finden sich im Anhang wieder jede Menge hilfreicher Auflistungen. Die Chronologie liest sich wirklich sehr interessant, ebenso die kurze Auflistung der Omni und Äquivalent Zivilisationen. Der Brandhorst’sche Schreibstil ist so, wie er immer ist – unterhaltsam und flüssig zu lesen. Entgegen einiger seiner anderen Bücher, findet hier der Einstieg in die Geschichte eher behutsam statt. Es wird Bezug auf den Vorgängerband genommen und die dort stattgefundenen Ereignisse noch einmal angerissen. Das mag auch der Grund sein, warum man den ersten Band nicht gelesen haben muss um in diesen eintauchen zu können.

Trotz einiger nicht so ganz für mich nachvollziehbaren Begebenheiten im Buch, hat mir auch Das Arkonadia Rätsel wieder gut gefallen. Aber irgendwie war mir das schon vorher klar. Ich mag den Autor einfach.
 
 
 


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