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Al Robertson

Dunkler Orbit: Roman

  • Autor:Al Robertson
  • Titel: Dunkler Orbit: Roman
  • Serie:
  • Genre:
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:13 März 2017
  • Preis:6,99 EUR

 
»Dunkler Orbit: Roman« von Al Robertson


Besprochen von:
 
Korlat
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Jack Forster kehrt nach vielen Jahren Kriegsgefangenschaft gemeinsam mit seiner KI Hugo Fist zur Station zurück. Nur noch dort leben Menschen. Die Erde selbst ist für Menschen nicht mehr bewohnbar und weitgehend zerstört. Der kleine Rest der Menschheit wird vom Pantheon, gottähnlichen KIs, regiert. Sie sorgen dafür, dass die Menschen ihre künstliche Welt online in weit besserem Zustand sehen als sie in Wirklichkeit ist. Jack arbeitete für Grey, einen dieser Götter in Bytes. Er jagte abtrünnige KIs bis er gezwungen war, vor der Totalität zu kapitulieren.

Jack ist in akuter Gefahr. Seine KI wird nach Ablauf ihrer Softwarelizenz Jacks Körper und Geist zu übernehmen – schon in drei Monaten. Bevor dies geschieht, will Jack noch herausfinden, wer ihn verraten hat. Er nimmt die Spur eines Verbrechens wieder auf, an dessen Aufklärung er arbeitete, bevor er in den Krieg ziehen musste. Seine Aktionen führen ihn mit vielen Personen seiner Vergangenheit zusammen, physisch und OnWeb, denn einige existieren nur (noch) als Daten.

Die Reste der Menschheit sind in Gefahr, von innen wie von außen. Es ist an Jack und Fist, die Gefahr zu identifizieren und sie zu beseitigen.

Bereits auf den ersten Seiten erfahren wir viel von dieser interessanten künstlichen Welt, der Station. Der Pantheon, die Totalität, die tödliche Bedrohung, in der Jack lebt – alles wird in den wenigen ersten Seiten vor uns ausgebreitet. Der Autor vermittelt ein Mix von Gefühlen - Abschied und Resignation auf der einen Seite, Dringlichkeit und Entschlossenheit auf der anderen.

Wir folgen durchgehend Jack und Hugo, den beiden Protagonisten des Buches. Jack ist ein desillusionierter Mensch mit einer in seinem Gehirn eingebetteten Kampf-KI. Alles in seiner Welt, Station genannt, erhält man nur über Lizenzen. Läuft die Lizenz aus, muss man sie erneuern, natürlich kostet das. Da Jack irgendwann im Cyberkrieg vor übermächtigen feindlichen KIs kapitulierte und sein Patron, eine der Pantheon-KIs, viel Macht verlor, hat er kein Geld mehr, um die Lizenz zu erneuern. Auch kann er nicht ins Web gehen und sieht deshalb die Wirklichkeit von Station unbeeinflusst. Sein Körper und sein Geist werden bald Hugo Fist gehören, der dies kaum erwarten kann. Er hat irgendwie seinen Frieden damit geschlossen und kommt nur nach Station, um Abschied zu nehmen und ein Verbrechen aufzuklären. Er ist dem Leben der anderen Menschen fremd geworden. Diese Fremdheit wird sehr überzeugend geschildert.

Hugo Fist manifestiert sich als hölzerne Puppe, weshalb Jack „Puppenspieler“ genannt wird. Gegenwärtig steckt er in einem Käfig, weil die Autoritäten von Station ihm nicht trauen. Der Käfig begrenzt seine Fähigkeiten. Jack glaubt, dass Hugo eine bösartige, leere Seele hat. Aber er entwickelt sich mit der Zeit. Vor die Entscheidung gestellt, Fist nach einem Kampf sich wieder reparieren zu lassen oder ihn ganz abzuschalten, entscheidet Jack sich für Fists Existenz, für das Leben seines Kindes. So empfindet er es jedenfalls. Von da an ändert sich das Verhältnis der beiden. Sie hängen voneinander ab, mehr als sie dachten.

Station ist eine kleine Welt, in der Personen auf vielen Ebenen leben. Da ist die physische Welt – oft schäbig, im Niedergang begriffen, kaum auszuhalten. Andere Teile schaffen die Illusion von Stadtteilen für die Mittelklasse. Da ist das Web – voller Illusionen und allem, was das Leben von Menschen erträglich macht. Da ist aber auch eine Ebene, auf der Wesen OnWeb existieren – Wiedergänger oder KIs. Alle Personen auf Station agieren auf allen Ebenen miteinander. Immer mehr Personen, die ein Mix aus lebenden Menschen und Daten bilden, erscheinen. Die Erinnerungen werden nach dem Tod auf dem Coffin Drive – welch absurder Name – gespeichert und die Personen erhalten so ein eigenes Leben, das allerdings von den Zugriffsberechtigten abhängt. Am Ende löst sich auch das – „Du bist lebendig, aber künstlich – ich bin künstlich, aber lebendig“

Dunkler Orbit ist solider, gut geschriebener Cyberpunk. Dieses Setting hat viel Potenzial für weitere Geschichten.



 
 
 


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